Wir im Sport 3/2019, TEXT NICOLE JAKOBS, FOTOS ANDREA BOWINKELMANN , JAN WECKELMANN

Ja, sie kostet Zeit. Ja, Wochenenden sind kostbar. Dennoch spricht ganz viel für die Vereinsmanager-Kompaktausbildung. Der Landessportbund NRW begleitet von nun an bis Ende des Jahres vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei ihrer Ausbildung zum Vereinsmanager und und bei der Arbeit in ihren Vereinen. 

Die Sportschule Hachen ist an diesem Frühlingswochenende pickepacke voll. Auf dem Sportplatz spielen breitschultrige Jugendliche Rugby. Drinnen packt eine Frauensportgruppe ihre Nordic
Walking-Stöcke, bereit, in die Hügel des Sauerlandes auszuschwärmen. Im Sitzungszimmer „U5“ rauchen die Köpfe: Was sind Pflichten und Anforderungen eines Vereins, nach Vereinsrecht, BGB und Abgabenordnung? „Rechtliche Aspekte beachten und Risiken absichern“, lautet das Oberthema für diese zweieinhalb Tage. Während Referentin Karin Schulze Kersting launig durch die Inhalte führt, geht immer wieder ein Kronleuchter bei den Teilnehmern auf: „In unserer Satzung steht die Jugendversammlung gar nicht drin – ist das schlimm?“ – „Nein, das brauche ich fürs BGB nicht, aber wenn ich eine Förderung haben möchte, sollte dieses Organ in der Satzung verankert sein“, erklärt Schulze Kersting.

DIE VM-QUEEN

An diesem Wochenende im April leitet sie gemeinsam mit Patrick Busse das zweite der acht Module umfassenden VM-Kompaktausbildung. 15 Teilnehmer, drei Referenten, acht Wochenenden à zweieinhalb Tage – am Schluss steht die DOSB Vereinsmanager-C Lizenz. Karin Schulze Kersting leitet die Ausbildung seit 2002, sie ist die Queen of VM-Ausbildung und kann ganz unbescheiden sagen: „Es gibt in NRW nicht viele, die eine VM-Ausbildung haben, die mir noch nicht über den Weg gelaufen sind.“ Vehement bricht sie eine Lanze für die Kompaktausbildung. Hier doppeln sich die Themen nicht, sagt sie. Der Kontakt zu den Teilnehmern sei intensiver, aber auch der Teilnehmer untereinander: „Ab dem zweiten, dritten Wochenende haben sie Vertrauen aufgebaut – und die WhatsApp-Gruppen!“ Rund die Hälfte von ihnen wurde in den vergangenen 15 Jahren vom Verein geschickt, die andere Hälfte macht die Ausbildung ganz klar auch für sich: „Wir sehen die Entwicklung der Menschen. Teilnehmer, die sich nie hätten vorstellen können, etwas zu präsentieren, machen das nach dem halben Jahr ganz selbstverständlich.“ Am Ende der Ausbildung steht die C-Lizenz, klar, aber auch das Wissen, woher die Hilfe in Zweifelsfall kommen kann. „Wenn die Absolventen ihre Lizenz haben, können sie ihre Probleme selbst lösen oder wissen, wo Antworten auf offene Fragen herkommen können“ – wenn das mal nicht praxisnah ist!

MICHAEL UND SASKIA
DEM LEBEN NEUE
SCHWERPUNKTE GEBEN

„Ich bin im Vorstand für Finanzen zuständig, ich gebe das Geld aus“, sagt Michael mit breitem Lachen. Seit 45 Jahren ist er in seinem Verein, der TG Harkort, als Basketballspieler, Basketballtrainer und seit einiger Zeit im Vorstand. Saskia ist Spieler-Mutter und eine enge Freundin von Michael. Beide sind vor Jahren dem Tod von der Schippe gesprungen, beide haben eine schwere Krankheit hinter sich gebracht. Durch diese Erfahrung planen sie ihr Leben – und ihr Engagement – nun anders als zuvor: „Die VM-Ausbildung soll dem Verein langfristig zu Gute kommen“, sagt Michael, findet aber nicht, dass er das alleine tun sollte. Also hat er Saskia mitgenommen, die eigentlich gar keine Vereinsmanagerin werden möchte – und eigentlich aber doch nur noch ein letztes Quäntchen Überzeugung braucht.

JESSICA
DURCHSETZUNGSSTARK IN
DER MÄNNERDOMÄNE

Trainertochter, Fußballspielerin, Fußball-Trainerin, MassagePraktikerin für ihre rein männliche Fußballabteilung – Abteilungsleiterin, demnächst mit einer Lizenz geadelt. Jessica weiß, wie es als Frau im Fußball zugeht: rau. „Man darf vor den Männern keine Schwäche zeigen. Fachlich können die mir nichts vormachen“, sagt sie. Das Hintergrundwissen, das ihr die VM-Ausbildung mitgibt, ist für sie trotzdem Gold wert: „Wissen ist Macht, gerade in einer Männerdomäne, und das in allen Bereichen, nicht nur im Sport!“

STEFFI
AUF DEM WEG INS HAUPTAMT

Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Der Job im Autohaus war mittelmäßig. Als ein Freund aus dem TuS 08 Senne sie ansprach, ob sie nicht ein paar Stunden in der Geschäftsstelle unterstützen wolle, hat Steffi ja gesagt. Erst mit zehn Stunden im Monat, jetzt mit zehn Stunden pro Woche – ab nächstem Jahr mit einer halben Stelle. „Ich will gerne langfristig im Verein arbeiten, aber für mich ist alles neu. Jahresmeldungen, diese ganzen Verbände, alle möglichen Aufgaben. Da brauche ich Hintergrundwissen.“

Wie geht es mit Michael und Saskia, Jessica und Steffi weiter? Wir begleiten unsere vier Teilnehmer über ein halbes Jahr: bei ihrer Vereinsmanager-Kompaktausbildung und in ihren Heimatvereinen. Wie sich Jessica in der Männerdomäne Fußball behauptet, wie Steffi ihren Traum von einer halben Geschäftsstellen-Stelle auf solide Wissens-Füße stellt und wie die Freunde Michael und Saskia die Basketballer zukünftig unterstützen, ist bis Ende des Jahres unter  go.lsb.nrw/wis1910 zu verfolgen.

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